Laden in Köln, Teil 5: Ladesäulen? Och nö, danke!

Ich wohne gerne in Köln. Und ich bin auch froh, dass ich hier mein E-Auto laden kann, das klappt erstaunlich gut. Aber von einer Förderung der E-Mobilität, wie sie politisch eigentlich ja gewollt ist, ist das, was die Stadt Köln abliefert, weit entfernt. Und ich bin froh um jeden Nachbarn, der sich im Moment kein E-Auto zulegt, denn nur deshalb klappt das noch erstaunlich gut.

Heute: Mehr Ladesäulen? Och nö, danke, nicht nötig.

In meiner losen Reihe "Laden über Köln" habe ich ich ja durchaus das ein oder andere Mal über Köln gemeckert. Wir haben zu wenig Ladesäulen (auch im Vergleich mit anderen Städten), die Planung ist offensichtlich nicht von Leuten gemacht, die selbst oft öffentlich laden (keine Ausweichplätze bei Falschparkern, schwachsinnige Anforderungstaste bei den Parkgebühren) und es kommen Taschenspieler-Tricks zum Einsatz für ein zweifelhaftes Fahrstrom-Monopol, was auf mehreren Ebenen schädlich für die Elektromobilität ist.

Aber Meckern kann ja jeder, erstmal muss man es besser machen.

Die Ladesäule im Wohngebiet

Eigentlich schon mit der Anschaffung unseres Skodas war klar: Wir würden gerne zuhause laden können. Das ist einfacher gesagt, als getan - unser Häuschen liegt in einer "Spielstraße" (da kann man zwar zum Be- und Endladen reinfahren, aber sicherlich nicht regelmäßig, und schon gar nicht zum stundenlangen Ladeparken). Die Eigentümersituation für unseren Garagenhof, wie auch für unseren mit-genutzten Stellplatz ist leider recht kompliziert (und unabhängig von den notwendigen Unterschriften der Mit-Eigentümer: Durch notwendigen Tiefbau, dort überhaupt Strom hinzubekommen, ist das alles nicht so billig). Kann vielleicht noch kommen, aber dauert.

Es gäbe aber mehrere "technisch perfekte" Standorte auf öffentlichem Grund. So gelegen, dass auch Zuparken kein Problem ist (dann parkt man eben daneben), und von der Strom-Trassenführung auch nicht zu kompliziert. Und mit 60% bezuschußt vom Bund. Also habe ich mich eingelesen in die Frage, was man als Anbieter öffentlicher Ladesäulen für Regularien erfüllen muss, mit was für Betriebskosten man rechnen muss, ich habe mit anderen Verrückten gesprochen, die ähnliches realisiert bekommen haben. Und so habe ich einen Antrag auf Fördergelder gestellt und gleichzeitig bei der Stadt Köln angefragt, wie dann jetzt so die nächsten Schritte sind. Naiv wie ich bin dachte ich, ich renne offene Türen ein, aber vielmehr muss man sich auch einen Korb, den man bekommt, erst sehr aufwendig und mit viel Telefonieren und Schriftverkehr abholen. Jedenfalls, er kam:

(..)

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die Ladestationen nicht willkürlich im öffentlichen Straßenland aufgestellt werden. Deshalb hat die Stadt Köln ein Standortkonzept erstellen lassen, das den Rahmen zur Aufstellung von Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum Kölns unter Berücksichtigung der Straßenverkehrsordnung sowie des Straßen- und Wegegesetztes Nordrhein-Westfalen beschreibt und festlegt. Der Rat der Stadt Köln hat dem Konzept zugestimmt und die Umsetzung dieses Konzepts durch die Stadtwerke Köln GmbH beschlossen. Eine Genehmigung von Standorten außerhalb dieses Konzeptrahmens ist derzeit nicht möglich.

Selbstverständlich begrüßen wir es als Stadt, wenn zusätzlich zum Ladeinfrastrukturangebot im öffentlichen Straßenraum weitere öffentlich zugängliche Lademöglichkeiten auf privaten bzw. gewerblichen Flächen eingerichtet werden. (..)

Also Ladesäulen gerne, aber bitte nicht auf öffentlichem Grund. Schade.

25% mehr Ladesäulen für Köln?

Nun war der Weg bis zu dieser Absage ein längerer. Und in der Zwischenzeit hatte ich mit erfolgreichen Ladesäulen-Betreibern über alle Fallstricke gesprochen, Förderprogramme studiert, mich über CPO-Backend-Systeme und Roaming-Plattformen informiert, Hardware-Hersteller verglichen und ich hatte total Bock darauf, Ladesäulen aufzubauen. Das ist nichts, um reich zu werden - aber das Thema finde ich immer noch spannend, die Förderquote ist hoch, Geld auf dem Konto rumliegen zu haben ist auch keine wirkliche Option, also wieso nicht Ladesäulen aufbauen? Konkret ging es für 2022 zunächst um rund 150 Ladepunkte im Gesamtwert einer halben Million Euro, also etwa 25% mehr als das, was wir heute haben. Und im Folgejahr gerne nochmal genauso viel (weitere Fördertöpfe vorausgesetzt).

Und mit diesem Vorhaben bin ich dann rangetreten an Volt und an die Grünen, jeweils an Partei und Fraktion gleichermaßen. Habe mich kurz vorgestellt, ich bin IT-Unternehmer und Bürger aus Köln, meine Firma achtet ein bisschen auf ihren ökologischen Fußabdruck, spätestens dank Corona weiß in der IT-Branche eh keiner, wohin mit seinem Geld, und ich möchte hier in Köln die Ladesituation verbessern.

Denn immerhin sind die beiden Parteien doch für so Umweltthemen da, dachte ich. Und E-Auto-Förderung sollten die doch gut finden, oder?

Fangen wir mit der Volt-Fraktion im Kölner Stadtrat an. Unter der Hand wurde mir schon empfohlen, dass ich das Wort "Stadtbegrünung" in meine Mail reinpacken muss, dass ich am besten verspreche Grünflächen auf den Säulen zu bauen, denn das wäre das einzige, was die Jungs und Mädels interessiert. Naja, ich gab ihnen einen Chance (hey, ich glaube sogar ich hatte sie gewählt), und sie nutzten sie für folgende Antwort:


[Volt hat überhaupt nicht geantwortet]
 

Bei der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kölner Rat immerhin kam sehr schnell eine Antwort. Sogar von höhrer Stelle und von jemandem aus dem Verkehrsausschuss:


vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich werde mich hierzu noch einmal schlau machen und Ihnen zu Beginn des neuen Jahres weitere Informationen geben können.

Beste Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
 

Das klang doch vielversprechend. Leider blieb es bei dieser Eingangsbestätigung, auch ein halbes Jahr und mehrere Nachfragen später gibt es keine weiteren Informationen.

Die Bürgermeisterin ist für die Bürger da

Mein letzter Schachzug war die Bezirksbürgermeisterin für unseren Stadtbezirk hier. Nicht mit 150 Ladepunkten überfordern, sondern mit der Ist-Situtation hier (ich kann niemandem guten Gewissens ein E-Auto empfehlen) und der Tatsache, dass ich (mit Unterstützung zahlreicher Nachbarn) einfach in Eigenregie hier in unserem Veedel etwas verbessern möchte. Und wenn meine eigene Säule hier steht, kann man immer noch gucken, ob man noch mehr platziert bekommt. 

Tatsächlich, die Reaktion kam prompt. Und sie war auch erstmal positiv: Sie würde mein Anliegen an den für unseren Stadtteil zuständigen Ortspolitiker weitergeben, der auch nach ein paar mal Nachfragen vorbeigekommen ist. Aber nicht etwa, um mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen. Ohne dem Herrn was böses zu wollen, aber ... wir hätten uns den Termin schenken können. Die für mich wichtigste Aussage sinngemäß wiedergegeben:


im Übrigen, warum erwartet eigentlich jeder von der Stadt, dass die sich um Ladesäulen kümmern müsse. Tut sie doch bei Tankstellen auch nicht. Die Leute können sich doch problemlos zuhause eine Wallbox hinbauen, die wird gefördert, oder am Arbeitsplatz laden. 

Ich z.B. lade immer an meinem Arbeitsort, da habe ich mir ein Kabel für eine rote Industriesteckdose besorgt, das klappt super. Ich brauche nicht öffentlich laden. 
 

Okay. Der Mann ist aber von Hauptberuf Chef einer Baufirma. Mag sein, dass er an seinen Einsatzorten Drehstrom zur Verfügung hat, freut mich für ihn. Ob auch jeder Bauarbeiter bei ihm entspannt mit Baustrom sein Auto laden dürfte, die Frage hat er unbeantwortet gelassen. 

Keine Hoffnung, aber schlüssige Erklärungen. Oder so.

Im Januar 2022 hat die Stadt Köln groß Besserung rund um Ladesäulen verkündet. Ich habe das zum Anlass genommen, nochmal beim Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung anzufragen, ob sich an der Haltung etwas geändert habe.

Hat es nicht. Man hält am Konzept der Direktvergabe an die Stadtwerke Köln und damit die RheinEnergie fest. 

Aber immerhin: Ich habe ein paar Hintergründe erklärt bekommen, warum das auch so sinnvoll ist.

Weniger ist oft mehr!

Beim ersten Argument geht es um Fairness:


Nur durch die Direktvergabe können wir sicherstellen, dass die einzelnen Viertel nicht zu kurz kommen. Wenn wir Ihnen jetzt erlauben würden, in Ihrem Veedel im Wohngebiet eine Säule zu errichten, müssten wir ja auch anderen Anbietern erlauben, Säulen aufzustellen.

Diese anderen Anbieter würden sich aber bevorzugt auf die Premium-Standorte z.B. in der Innenstadt stürzen. Und wenn die das machen, dann ist das schlecht für die Wohngebiete in den Veedeln, denn die hätten ja dann nichts davon. Und wir als Stadt müssen sicherstellen, dass die Stadtviertel nicht abgehängt werden.
 

Und darum ist es also sinnvoll, dass wir hier im Viertel gar nicht erst genug Säulen bekommen. Denn sonst würde das dazu führen, dass wir hier im Viertel zu wenig Säulen hätten. Klingt total schlüssig.

Die Stadt der verwaisten Ladesäulen

Ähnlich plausibel klang das weitere Argument:


Es ist ja schön und gut, wenn Bürgerinitiativen o.ä. eine Ladesäule finanziert bekommen. Aber die muss ja auch unterhalten werden.  Mit Ladesäulen kann man ja im Moment noch lange kein Geld verdienen, und wenn der Betrieb dann so teuer ist, dass der Betrieb irgendwann eingestellt werden muss - wer baut dann die Ladesäule zurück? 

Wir müssen uns als Stadt davor schützen, dass hier nachher niemand für die Rückbaukosten aufkommt. Und am Ende ist es ja auch sinnvoll für die Bürgerinitiativen, die gar nicht wissen, worauf sie sich da finanziell einlassen.
 

Los Angeles, Oslo, San Francisco, Amsterdam - wer kennt sie nicht, die Fotos von Städten, die regelrecht ertrinken in verwaisten Ladesäulen, die niemand nutzen wollte. Da muss Köln natürlich Vorreiter in Sachen Optik sein.

Ich weiß ja nicht, was die RheinEnergie so ihrer Mutter erzählt, wie hoch defizitär doch der Unterhalt einer Ladesäule ist. Aber laut meiner Excel-Tabelle genügt schon eine recht moderate Auslastung (Spoiler: Die von mir "mitgeloggten" Belegtzeiten und Stromverbräuche der RheinEnergie-Säule z.B. bei mir um die Ecke liegen deutlich über diesem Soll, d.h. die würden sich laut meiner Tabelle schon tragen). Und in meinem Fall sind Netzanschluss und Backend keine Tochterfirmen, d.h. meine Einkaufspreise liegen womöglich höher als die der RheinEnergie.

RheinEnergie - besser kann es den Kölner nicht treffen

Wer noch nicht überzeugt war, der wird es spätestens jetzt:


Außerdem haben wir mit der RheinEnergie einen Anbieter mit einem abstimmten Angebot, z.B. haben wir einen maximalen kwh-Preis festgelegt, um die Bürger vor überteuerten Abrechnungen zu schützen. Das alles wären Bedingungen, die die anderen Anbieter ja auch erstmal einhalten müssen zum Schutz der Bürger.
 

Genau. Die RheinEnergie, die mit dem zweifelhaften Fahrstrom-Monopol, bei denen Dienstwagen-Hybride mit Benzin fahren müssen, dank deren maximalem Preis ich 25% mehr für den Ladevorgang zahlen muss als im Rest von Europa und die sich mit Taschenspieler-Tricks der Roaming-Pflicht entzieht...

Schade

Ich hätte gerne eine Lademöglichkeit daheim gebaut, ich hätte auch gerne in Köln die Ladesituation verbessert (immerhin will ich ja irgendwann den Leuten auch her zu einem E-Auto zu-raten). Will man nicht, denn Förderung der E-Mobilität interpretiert man in Köln so, dass man alles daran setzt, der hauseigenen RheinEnergie lästige Konkurrenz vom Hals zu halten.

Immerhin: Sofern der Förderantrag noch rechtzeitig (für eine fristgerechte Umsetzung) bearbeitet und vor allen Dingen genehmigt wird, würde ich trotzdem Ladesäulen aufbauen. Nur halt nicht in Köln. Andere Städte freuen sich über Ladeinfrastruktur. 

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